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managerSeminare – Heft 129 Dezember 2008-12-18 Besinnung fürs BusinessManager auf christlichen PfadenPromi-Patres entfachten das Interesse für Werte in der Wirtschaft Das 2004 gestartete Spiritual Consulting ist als Angebot einer evangelischen Landeskirche deutschlandweit bislang einzigartig. Allein auf weiter Theologenflur stehen die beiden Pilger-Pastoren freilich nicht, wenn es darum geht, das Kerngeschäft der Kirchen – die Sorge um das Seelenheil der Menschen – gezielt auf Manager anzuwenden. Nicht zuletzt Katholiken wie die Ex-Ordensbrüder Rupert Lay und Anselm Bilgri und der Benediktiner-Mönch Dr. Anselm Grün von der Abtei Münsterschwarzach haben als prominente Referenten und Buchautoren dazu beigetragen, das Interesse an christlichen Werten in Führungskreisen zu fördern. Die Ordensgemeinschaften verzeichnen seit Jahren einen nicht abreißenden Zustrom von Menschen, die sich in stiller Kontemplation in Klöster zu-rückziehen, temporär am Leben der Mönche teilhaben oder Seminarofferten wahrnehmen – von Meditationskursen bis zur Wellness-Massage. „Es gibt mitt-lerweile gut 300 solcher Angebote deutscher Frauen- und Männerorden“, sagt Arnulf Salmen, Pressesprecher der Orden. Wie viele Manager unter den Klostergästen sind, lässt sich zwar nicht genau beziffern. Doch dass der Rückzug hinter Ordensmauern gerade auch bei Managern gefragt ist, belegen die klösterlichen Angebote, die sich dezidiert an diese Zielgruppe richten und regelmäßig ausgebucht sind. Vom Interesse des deutschen Managerstandes an geistlichem Beistand zeugen auch die Briefe, die den Benediktinerpater Dr. Anselm Grün bergeweise erreichen. Grün, Cellerar der Abtei Münsterschwarzach, ist einer der Granden unter den christlichen Wirtschaftsweisen. Er gibt seit 15 Jahren Kurse für Manager, hat sich als Buchautor einen Namen gemacht und ist ein gefragter Kongressredner. „Die Briefeschreiber schildern oft, dass sie unter dem Führungsverständnis in ihren Unternehmen leiden“, berichtet Grün. Solidarität und Menschlichkeit spielten den Klagen zufolge häufig keine Rolle. Werte jenseits finanzieller Werte fänden sich allenfalls in den Leitlinien. Stattdessen seien Angst und Druck an der Tagesordnung. Druck, den Manager ausüben, dem sie sich auch selbst unterwerfen. Grün weiß, wozu das führen kann: „Führungskräfte haben häufig das Gefühl, gelebt zu werden, statt selbst zu leben“, so der Pater. Wer jedoch ein Getriebener sei, könne auch andere nur vor sich hertreiben, ist Grüns Überzeugung: „Führungskräfte neigen oft dazu, Leistung aus den Menschen herauszupressen, statt Leben in ihnen zu wecken.“ Um in Mitarbeitern Leben und damit Leistungslust zu wecken, müssten sich die Manager selbst wieder als Mensch wahrnehmen, mit all ihren menschlichen Gefühlen, Sehnsüchten und Bedürfnissen. Weil dies besonders gut gelingt, wenn die Führungskräfte auf Distanz zur Alltagstretmühle gehen, setzt auch Grün auf die Kraft, die im Rückzug liegt. Anselm Grün lässt Führungskräfte schweigen Der Rückzugsort ist in diesem Fall das Haus Benedikt, das Würzburger Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach, das Anselm Grün gemeinsam mit dem Managerberater und Coach Dr. Friedrich Assländer leitet. Das Zentrum veranstaltet unter anderem mehrtägige Retreats für Führungskräfte, die sich in ihrer Struktur ans mönchische Leben anlehnen: Der Tag beginnt früh, ist klar durchstrukturiert in Zeiten gemeinsamer Zusammenarbeit an Themen wie Konfliktmanagement und Kommunikation, aber auch in Zeiten der Meditation und des Schweigens. „Gerade das Schweigen fällt einigen Führungskräften sehr schwer“, weiß Grün, der auch mit Psychologen zusammenarbeitet, weil das Zurückgeworfensein auf das Selbst manchen an seine psychischen Grenzen bringen kann. Generell dauere es eine Weile, bis sich die Führungskräfte mit dem Schweigen wohlfühlten. „Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sie merken, dass sie sich wieder selbst spüren und an innere Quellen gelangen können, von denen sie gar nicht mehr gewusst haben, dass sie existieren“, beobachtet der Geistliche.
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