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15. März 2008

„Heilsame und heilende Wirkung“

Meditation und der Reiz der fremden Religionen

FRAGE: Religion kann als Lebenshilfe sinnvoll sein, und es ist gar nicht so wichtig, welche es ist?

FRIEDRICH ASSLÄNDER: Religiöse Menschen aller Religionen bewältigen ihr Leben besser als Menschen ohne religiösen Halt. Wichtig sind die einfachen Gebetsformen wie Meditation, sei es nach buddhistischen, hinduistischen, islamischen oder christlichen Formen wie dem Rosenkranz. Der Inhalt spielt keine Rolle, sondern die regelmäßige Übung.

Aber es sind doch die östlichen Religionen, allen voran der Buddhismus, die eine große Anziehungskraft auf viele Menschen hier im Westen haben?

ASSLÄNDER: Die Faszination, die östliche Fertigkeiten und Künste auf uns ausüben, ist kein Zufall. Vielmehr entdecken immer mehr Menschen, dass in diesen alten Wegen wie Tai Chi oder Zen-Meditation etwas zu finden ist, was uns im Westen verloren gegangen ist: Sammlung, Ruhe, Verweilen, Erfahrung der Gegenwart, Eins-werden mit dem Tun. Die heilsame und heilende Wirkung dieser Übung entfaltet sich in dem Maße, wie wir sie regelmäßig praktizieren.

Sie beziehen sich auch oft auf das Christentum, zitieren die Bibel. Wie verbinden Sie die Religionen?

ASSLÄNDER: Für mich war es die Begegnung mit Willigis Jäger und der Zen-Meditation, die mir das gaben, was ich vor zwanzig Jahren gesucht habe. Spannenderweise hat mich meine Zen-Praxis nicht vom Christentum, in dem ich gut verwurzelt bin, weggeführt, sondern mir vieles erst erschlossen. Der Dalai Lama empfiehlt der eigenen Religion treu zu bleiben. Das schließt nicht aus, dass wir uns Übungen, aber auch Weisheiten aus anderen Religionen als Bereicherung und Ergänzung holen können. Dabei entstehen keine Patchwork-Religionen, wenn wir die Dinge klar zuordnen. Gefährlich ist es, das Heil immer nur in der Ferne zu suchen. Wir sind dann noch wie kleine Kinder, die Spielsachen der anderen interessanter finden. Das Christentum bietet sehr sinnvolle Anleitungen für ein gutes Leben. Anselm Grün und ich versuchen das in unseren Kursen „Führen und geführt werden“ im Haus Benedikt zu vermitteln.

Meditation, Achtsamkeit, eine gute Verbindung von Beruf und Privatleben – das zeigt den Wunsch nach Glück?

ASSLÄNDER: Die Grundsehnsucht des Menschen, das sagen alle Philosophien, ist die Suche nach Glück. Nur ein Lottogewinn macht nicht glücklich. Das Glück finden wir nur in uns selbst, in unserer Einstellung zum Leben, in unserer geistigen und damit spirituellen Ausrichtung unseres Lebens. Jage ich äußeren Erfolgen nach, dann werde ich immer wieder verlieren und leiden. Lerne ich die Fülle zu sehen, in der ich lebe, und kann ich dankbar sein für alles, was ich habe, dann stellt sich Zufriedenheit ein. Hans im Glück kann uns etwas lehren: Wenn ich loslassen kann, wenn ich das Gold nicht mehr brauche und erkenne, es geht vielleichter ohne die vielen Dinge, dann kann ich wie er Ausrufen „Ich muss in einer Glückshaut geboren worden sein“.